VALUEversitas Blog

Unser Bericht von der LastMileLogistics Conference

20. März 2019 07:52:58 MEZ / von Nicole Wülbeck

Am 12.03.2019 haben wir die LastMileLogistics Conference im House of Logistics and Mobility (HOLM) in Frankfurt besucht. Inhaltlich versprach die Konferenz  die Auseinandersetzung mit Lösungen für die letzte Meile. Da wir derzeit das Entwicklungsnetzwerk LEMON rund um Lösungen für die letzte Meile initiieren, war das für uns ein Pflichttermin, den wir gerne wahrgenommen haben. Und natürlich möchten wir davon berichten. Und natürlich freuen wir uns auch, dass der Netzwerkansatz, wenn auch nicht explizit unserer, mehrfach in den Vorträgen als Notwendigkeit zur Entwicklung von Lösungen für die letzte Meile Logistik bestätigt wurde.

Insgesamt wurden eine ganze Reihe möglicher Lösungen für die letzte Meile präsentiert. Dabei handelte es sich sowohl um bereits verfügbare Angebote als auch um Lösungsansätze, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht oder noch nicht funktionieren. So stellte Frau Angelika Winkler von der Magistratsleitung für Stadtentwicklung und Stadtplanung in Wien zu Beginn der Veranstaltung einige Projekte vor, die der Optimierung der Wirtschaftsverkehre in Wien dienen. Hierbei handelte es sich um Projekte, die aktuell in Wien umgesetzt werden.

Zwei Projekte die vorgestellt wurden, waren Hubert und die WasteboxHubert ist ein neuer Zustell-Service des Logistikzentrums Hafen Wien. Hier werden Güter betreiberneutral am Stadtrand gebündelt und von dort mit Hilfe von umweltfreundlichen Fahrzeugen in die Stadt befördert. Jedoch habe man es trotz großer Bemühungen nicht geschafft, diese Konzept erfolgreich zum Weihnachtsgeschäft umzusetzen. Somit konnte man zum einen eine sehr lukrative und paketintensive Zeit nicht ausreichend nutzen und zum anderen wäre es generell sehr schwierig, diese Option erfolgreich zu etablieren. Die Wastebox soll Baustellenverkehr durch dynamische Routenplanung reduzieren, indem Kunden und Lieferanten intelligent und in Echtzeit vernetzt werden. Hier stellte Frau Winkler die Problematik heraus, dass ein Unternehmen hinter der Idee der Wastebox steht und durch Einzelunternehmen initiierte Projekte häufig Schwierigkeiten haben, auf dem Markt Fuß zu fassen bzw. zu bestehen.

Von dem Paketdienstleister DPD war Gerd Seber, Manager Sustainability & Innovations, als Vortragender anwesend. Herr Seber hat sich in seinem Vortrag der Fragestellung gewidmet, wie die Zukunft der letzten Meile aussieht und dabei darauf verwiesen "kreativ zu schauen". Unter anderem wurde sich dabei der Frage genähert, wie Umschlagplätze gestaltet sein müssten und erörtert, dass es wichtig sei, dass mehrere Branchen zusammenarbeiten. Für den Beginn schlug Herr Seber vor, dass Umschlagplätze sich erstmal auf ähnliche Produkte spezialisieren sollten. Jedoch sei nichts gewonnen, wenn der Empfänger die Ware mit dem eigenen Auto abholen würde. Und dennoch setzt DPD unter anderem auf DPD Shops (wie z.B. in NKD-Filialen oder Tankstellen), bei denen der Empfänger zusammen mit der Abholung des Paketes einen Warengutschein erhält. Jedoch sehen wir hier eine Verlagerung der Problemstellung. Umweltaspekte, Personalmangel und die Beschränkung auf gewisse Zeiten, um ein Paket abzuholen sind mit dieser Lösung keinesfalls behoben sondern lediglich verschoben. DPD zeigt somit eine Lösung des konstuktiven Miteinanders jedoch noch keine nachhaltige Lösung, wie sie das Unternehmen selbst gerne hätte. Und die Frage drängt sich auf: Was ist das eigentliche Problem, das gelöst werden muss?

Diese Frage zieht sich durch viele Gespräche und Vorträge. So werden zwar immer Lösungen und Probleme präsentiert, konkrete Anforderungen, an denen ein Lösungsgrad gemessen werden, fehlen oft. Aber nicht immer.

So wurde die obenstehende Fragestellung von Frau Hella Abidi von Dachser mit einer hausinternen Toolbox Project City Distribution beantwortet. Damit stellt Dachser verschiedene Werkzeuge zur Verfügung (unter anderem Pricing models, city analysis, laws and regulatins), mit denen die Kunden ganz flexibel auf die verschiedenen Anforderungen der jeweiligen Städte reagieren können. Auch Frau Abidi wies darauf hin, dass es sich bei der letzten Meile um ein zu komplexes Thema handelt, welches für den Einzelnen zu umfangreich sei, um es vollumfänglich alleine lösen zu können.

Als Abschlusspräsentation hat Herr Dr. Uwe Radetzki (Vice President Innovationen, DPDHL) die Visionen einer Belieferung der letzten Meile im Jahr 2030 von DHL vorgestellt. Hier sieht das Unternehmen die Lösung ganz klar in der Robotik und Unterstützung der Auslieferung durch autonome Fahrzeuge. Was in anderen Ländern schon gang und gäbe sei, sei in Deutschland aufgrund der Regulatorik und der Rechtssprechung schlichtweg (noch) nicht möglich. Schon zu Beginn der Veranstaltung wurde der Begriff des betreuten autonomen Fahrens in den Raum geworfen, der die Situation schlicht aber präzise beschreibt: Fahrzeuge dürfen nicht selbstständig und autonom fahren sondern müssen durch einen Menschen begleitet werden, um im Notfall eingreifen zu können.

Aus dieser Not hat DHL eine Tugend gemacht und entwickelt sowie testet das autonome Fahren auf Sicht. Unter anderem wird zur Zeit der StreetScooter getestet. Ein Fahrzeug, welches dem Fahrer folgt und ihm damit den schnelleren Zugriff auf die Briefe ermöglicht, häufiges Ein- und Aussteigen vermeidet und somit die Zustellungen effizienter gestaltet. Auch der PostBOT, ein Zustellroboter der als Begleitung von Postboten verwendet werden soll, um diese körperlich zu entlasten, hat zusätzlich den Sinn, die Zustellungen pro Stunde zu erhöhen. Jedoch wurde laut LOGISTIK HEUTE, die Nutzung der PostBOTs aufgrund der zur Zeit zu hohen Kosten für die neue Technologie erstmal wieder auf Eis gelegt.

Fazit zur Veranstaltung

Besonders hervorzuheben sind folgende Aspekte. Die unterschiedlichen Präsentationen sind für uns eine Bestätigung, dass Lösungen nur gemeinsam und entlang der Wertschöpfungskette funktionieren können. Nur wenn alle Glieder in der Kette, von der Produktion bis zum Endverbraucher, lückenlos geschlossen sind, wird diese Lösung dauerhaft am Markt bestehen. Hubert zeigt, dass eine Lösung von mehreren Partnern bereits erfolgreicher auf dem Markt bestehen kann.  Die Wastebox, welche als Einzellösung eines Unternehmens umgesetzt wurde, zeigt hingegen die Hürden für Einzelkämpfer. Uns stellt sich die Frage, was passiert, wenn alle Glieder entlang der Wertschöpfkungsketten der Logistik lückenlos an einem Strang ziehen würden? 

Alle Lösungen haben eine Gemeinsamkeit: sie beschäftigen sich mit Herausforderungen auf der letzten Meile in der Stadt. Von der Problemstellung mal abgesehen, dass jede Stadt ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich bringt (Dieselfahrverbote, generelles Fahrverbot in Innenstädten usw.) müssen Lösungen flächendeckend und auch in weniger besiedelten Gebieten funktionieren. Dieselfahrzeuge können ersetzt werden, wenn das Fahrverbot flächendeckend greift, die starke Belastung der Mitarbeiter kann durch verschiedene Assistenzsysteme verringert werden und die komplexe Routenplanung durch Software vereinfacht und optimiert werden. Durch den Fokus auf die Städte werden Engpässe als Probleme für die letzte Meile definiert die oftmals nur lokal begrenzte Engpässe sind. Denn die tatsächliche Herausforderung ist und bleibt: die Anzahl der fehlerfreien Auslieferungen pro Stunde. 

Abschließend noch ein Hinweis in eigener Sache

Aus den oben genannten Gründen initiieren wir das Netzwerk LEMON - Letzte Meile Onlinehandel. Genau wie ein Großteil der Konferenzteilnehmer, glauben wir, dass die Herausforderungen der letzten Meile nicht durch viele Einzelkämpfer behoben werden können. Die gezeigten Beispiele sowie Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass diese Lösungen meist nicht von Dauer sind, vom Markt nicht getragen werden und oft so leise verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. Um sich diesen vielfältigen Herausforderungen erfolgreich, nachhaltig und dauerhaft zu stellen, setzen wir mit LEMON auf ein branchenübergreifendes Netzwerk, welches das Ziel hat, die letzte Meile durch die Bündelung komplementärer Fähigkeiten und interdisziplinärer Ansätze zu erschließen.

Kategorien: letzte Meile, Logistik

Nicole Wülbeck

Written by Nicole Wülbeck

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