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Smart Contracts entlang der Wertschöpfungskette der Lebensmittel

11. Juni 2018 13:33:44 MESZ / von VALUEversitas

Wenn die Rede von Anwendungen der Blockchain-Technologie ist, kommt man ganz schnell auf Smart Contracts. Doch was heißt das eigentlich, wie funktionieren sie und wer kann sie wofür anwenden? Und was bringt ein Smart Contract einem Landwirt, einem verarbeitenden Produzenten, einem Agrar- oder Lebensmittelhändler und welche Möglichkeiten bieten sich im Lebensmittelhandwerk? Einfach gesagt eine ganze Menge. Doch zunächst muss man verstehen, um was es sich bei einem Smart Contract eigentlich handelt. 

Smart Contract

Einfach gesagt handelt es sich um spezielle Computerprogramme, welche zuvor festgelegte vertragliche Bedingungen in einem Programmcode festhalten. Das Besondere daran ist, dass diese Programme bestimmte Funktionen auslösen können, wenn eine oder mehrere vertraglich vereinbarte Bedingungen eintreten oder bis zu einem Zeitpunkt eben nicht eintreten. Und genau aus diesem Grund werden diese digitalen Verträge als "smart" bezeichnet. Es handelt sich also nicht um selbstlernende Verträge, die selbsttätig Entscheidungen treffen. Vielmehr werden aktuell mehr oder weniger Wenn-Dann-Verknüpfungen ausgeführt.

Eine weitere Eigenschaft von Smart Contracts, die auf der Blockchain-Technologie basieren, ist, dass die Vertragsausführung nicht zentralisiert überwacht wird. Das bedeutet, dass die Entscheidung nicht zentral auf einem Server stattfindet, sondern dezentral auf allen teilnehmenden Computern abgewickelt wird, die Netzwerkknoten der Blockchain sind. Ein weiterer Vorteil von Smart Contracts ist, dass die Verträge automatisch ausgeführt werden. Eine Person als Intermediär, der über die Richtigkeit der Vertragseinhaltung entscheidet, entfällt also. Das bedeutet einerseits, dass die vertraglich vereinbarten Transaktionen unmittelbar ohne Wartezeit abgewickelt werden, sobald die Voraussetzungen erfüllt sind. Und andererseits bedeutet es auch, dass  die subjektive Bewertung der Vertragserfüllung entfällt. Das ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn in Handelskonstellationen persönliche Verflechtungen nicht mehr zu Vorteilen führen können. 

Anwendung von Smart Contracs entlang der Wertschöpfungskette

Doch welchen Vorteil hat nun ein Vertrag, der automatisch ausgeführt werden kann und in der Blockchain gespeichert ist? Was können die Akteure entlang der Lebensmittel-Wertschöpfungskette damit anfangen? Im Grunde eine ganze Menge.

Ein einfaches, dafür aber plakatives Beispiel ist der Agrarhandel. Die verarbeitenden Industrie benötigt in der Regel größere Mengen eines Produktes bei gleichbleibender Qualität. Eine (NICHT die einzige!) Funktion des Agrarhandels ist es, einzelne Produktionsmengen der Landwirte zu einer große Menge, die dann z.B. ein anderer Händler oder Verarbeiter abnehmen kann, zusammenzufassen. Oder aber eine große Menge eines landwirtschaftlichen Rohstoffes wird in kleinere Tranchen für die jeweiligen Käufer aufgeteilt. Dabei achtet der Agrarhändler auch darauf, dass die Qualitäten richtig zugeordnet werden und ist ein wesentliches Element bei der Preisabsicherung. In diesem Zuge spielen auch weitere Leistungen, wie z.B. die Vorfinanzierung der Produktion eine Rolle. Gerade das Zusammenführen von Waren unter bestimmten Preis-Bedingungen lässt sich nun mittels eines Smart Contracts gestallten. Bisher war das Poolen oder Aufteilen von Waren in vielen Fällen für den Produzenten oder ggf. für den Abnehmer zu aufwändig. Das ist es nun für beide Seiten nicht mehr, da diese Aufgabe von einem Smart Contract erfüllt werden kann. Benötigt wird im Grunde nur noch ein Logistiker, der die jeweiligen Waren zum Bestimmungsort verbringt.

Eine weitere Anwendung, die sogar schon praktisch Anwendung findet, ist die Reduktion des Kontrahentenrisikos für Landwirte. Mittels eines Smart Contracts kann das, was man einfach ausgedrückt als Lieferung nur gegen Bezahlung (delivery versus payment – DVP) kennt, formal sichergestellt werden. Denn die Eigentumsrechte werden digital verwaltet, in der Blockchain gespeichert und sind  kryptographisch direkt an die Bezahlung gekoppelt. Der Vertrag kann praktisch z.B. erst dann geschlossen werden, wenn der Käufer über das nötige Kapital verfügt, welches dann auch per Smart Contract vor einem anderen Zugriff gesichert wird, bis der Vertrag einen zuvor definierten Zustand erlangt. Jeder Unternehmer weiß, was das Risiko eines Zahlungsausfalles bedeutet. Der Vorteil ist offensichtlich.

In einem kleineren Maßstab wäre das auch für Bäckereien und Metzgereien denkbar, die häufig vorbestellte Waren vernichten müssen, weil diese nicht bis Ladenschluss vor Wochenende abgeholt werden.  Gerade Bäckereien vernichten oft große Mengen nicht abgeholter Backwaren. Man könnte hier zwar argumentieren, dass man Bestellungen nur noch per Vorkasse annimmt, mittels Smart Contract ließe sich aber für viele Kunden das Hemmnis der Vorkasse eliminieren und gleichzeitig würden die Anbieter nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben, falls der Kunde die Ware nicht abholt. 

Ein weiterer Anwendungsbereich von Smart Contracs ist die Produktionsfinanzierung. Ein produzierendes Unternehmen muss in der Regel in Vorleistung gehen, um z.B. Saatgut oder Zutaten einzukaufen. Diese Vorleistung wird häufig von Banken oder Genossenschaften finanziert. Gleichzeitig müssen die Unternehmen, die bestimmte Produkte und Rohstoffe verarbeiten, dafür sorgen, dass sie eine ausreichende Menge zu einem angemessenen Preis in der nötigen Qualität verfügbar haben, um ihre eigenen Produkte herstellen zu können. Dazu werden teilweise enorme Anstrengungen unternommen, die bei Rohstoffen aus dem Ausland auch die Absicherung von Währungsschwankungen beinhalten. Auch hier ließen sich die Rahmenbedingungen und Konditionen in einem Smart Contract festhalten und überwachen.

Gleiches gilt für das Stichwort Qualität. Die Überwachung von Qualitätsstandards ist ebenfalls ein wichtiges Thema für die Anwendung von Blockchain-Technologie im Lebensmittelumfeld. So könnten mittels IoT-Lösungen die Kühlkette oder eine andere Messkette (Warum eigentlich nicht der pH-Wert oder ein mikrobiologisches Merkmal?) überwacht werden und der Abnehmer über einen Smart Contract z.B. die Annahme des Produktes davon abhängig machen, ob bestimmte Messwerte oder Messzyklen eingehalten wurden. Streitigkeiten bei der Qualitätssicherung wären damit zwar nicht vollständig vom Tisch, aber sicherlich reduziert. Und Dank IoT-Ansatz wäre hier auch das Betrugsrisiko gegenüber den derzeitigen Verfahrensweisen geringer.

Die Anwendungsmöglichkeiten von Smart Contracts lassen sich beliebig weit spannen und in vielen Fällen technisch bereits umsetzen. Große Handels- und Finanzkonzerne haben das bereits vorgemacht und junge, unbekannte Startups bieten für viele Anwendungen Lösungen an. Man muss die Möglichkeiten nur nutzen. Und gerade jetzt, hat man noch die Möglichkeit, die Art und Weise der Anwendung sowie die sich früher oder später ergebenden Standards zu beeinflussen.

Allerdings geht das in der Regel nicht ohne Hilfe und kostet Zeit. Ein mögliche Ansatz, um erfolgreich in das Thema einzusteigen, ist in Erste Schritte zum Einstieg in die Blockchain-Technologie im Lebensmittelumfeld nachzulesen. 

 

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Kategorien: Lebensmittel, Blockchain, Blockchain-Technologie, Digitalisierung, Smart Contract

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VALUEversitas ist eine spezialisierte Unternehmensberatung, die Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette der Lebensmittel berät. Die schwerpunktmäßigen Beratungsfelder sind Strategie und Entwicklung (Managementberatung), Technologie- und Innovationsberatung sowie die Beratung zu Unternehmenskooperationen und aktiver Zusammenarbeit.

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