VALUEversitas Blog

Digitalisierung: Breitbandausbau in Eigenregie

9. März 2018 14:20:50 MEZ / von VALUEversitas

Der Breitbandausbau gilt als eine der Hürden schlechthin, wenn es um die Digitalisierung in Deutschland geht. Ob im Rahmen der grünen Woche zu Jahresbeginn in Berlin, im Wahlkampf oder von den unterschiedlichsten Branchenvertretern, nahezu überall wird das Fehlen schneller Internetanschlüsse als der Hinderungsgrund schlechthin für jegliche Auseinandersetzung mit digitalen Geschäftsmodellen, digitalen Werkzeugen oder der Ausbildung von Fachkräften für die digitale(re) Zukunft angeführt. Zwar ist es so, dass die Digitalisierung nicht alleine vom Netzausbau lebt, aber zugegebener Maßen ist der Ausbaustatus Deutschlands für das Jahr 2018 eine Katastrophe.

Nicht auf die Politik warten

 Alle Betroffenen, richten Ihre Vorwürfe primär an die Politik. Man wirft der Regierung, Bund, Ländern und Kommunen Versagen vor und ärgert sich darüber. Das ist einfach, bringt aber nichts. Und ganz sicher werden die das Nachsehen haben, die auf die Politik warten. Gerade als Unternehmer kann man sich das aber eigentlich nicht leisten. Wie in anderen Bereichen des Geschäftslebens auch, müssen die Unternehmer und Unternehmerinnen Eigeninitiative ergreifen. Das ist nicht leicht und im Einzelfall vielleicht auch nicht immer möglich, vielerorts aber ein machbares Vorgehen.

Von Beispielprojekten lernen

Es gibt mittlerweile eine Reihe von Einzelpersonen und Initiativen, die sich in Eigenregie um ihren Breitbandausbau gekümmert haben. Wir möchten deshalb drei Beispiele vorstellen, um die Bandbreite des Möglichen aufzuzeigen. Und die ist durchaus interessant. Sie reicht von einfachen Lösungen, wie sie z.B. der englische Landwirt Richard Guy umsetzt, über sogenannte Buddelvereine bis hin zu eigens gegründeten Unternehmen, die das Ziel dezentraler Netze verfolgen. Gemeinsam ist allen, dass die Initiative von den Betroffenen ausgeht und die auch für die Finanzierung aufkommen müssen. Zwar kann man mittlerweile mit Hilfe der Kommunen diverse Fördertöpfe anzapfen, aber kostenneutral sind solche Vorhaben keinesfalls. Ob sich ein solches Vorhaben lohnt, bleibt also eine Frage des Gegenwertes, den man mit schnellem Internet verbindet. 

Gemeinsam kommt man weiter

Das erste verlinkte Beispiel handelt zwar von einem einzelnen Landwirt, fast alle anderen Projekte werden aber von Gruppen initiiert und durchgeführt. Will man also den Grundstein für die digitale Zukunft legen, kommt man an Kooperationen, möglicherweise sogar mit Wettbewerbern, nicht vorbei. Dieser Schritt ist also nicht einfach, aber, wenn man denn an schnelle Datenleitungen angekoppelt werden möchte, zwingend notwendig. Perspektivisch betrachtet ist das aber eine gute Investition. Warum? Ganz einfach: Die Datenautobahn wird primär benötigt, um im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung den Anschluss nicht zu verlieren. Digitalisierung bedeutet in vielen Fällen, dass sich Betriebe, egal welcher Art, teilweise öffnen müssen. Es bedeutet auch, dass die Zusammenarbeit sowohl auf einer Wertschöpfungsstufe (horizontale Integration) als auch über mehrere Wertschöpfungsstufen hinweg (vertikale Integration) immer wichtiger wird. Sei es, um Schnittstellen zu realisieren oder zur gemeinsamen Verständigung auf Standards. Und wenn man gemeinsam die Infrastruktur für die Zukunft möglich macht, dann kann man gemeinsam auch Entwicklungen, Stabilität und Wachstum ermöglichen.

Was braucht man dazu?

Im Grunde braucht es nur eine kritische Masse von Betrieben sowie möglicherweise ein paar Privatpersonen und sinnvollerweise die betroffene(n) Kommune(n). Evtl. gibt es auch örtliche Institutionen, wie z.B. Gewerbeverein, Wirtschaftsförderung etc., die man mit einbinden kann. Im Idealfall holt man sich auch einen Experten ins Konsortium. Gemeinsam können dann die Bedarfe ermittelt und Umsetzungspläne entwickelt werden. Prinzipiell ist ein derartiges Vorhaben nicht komplexer als das Verlegen einer Wasserleitung. Verlegt werden i.d.R. Leerrohre, in die dann später die Glasfaser-Leitungen eingebracht werden. Als Buddelverein oder vergleichbare Einrichtung übernimmt man also lediglich die Verlegearbeiten im Erdreich. Der Anschluss ans Netz erfolgt dann üblicherweise durch einen Netzanbieter.

Für viele mag es merkwürdig wirken, sich selbst um etwas zu kümmern, was vielerorts als eine Art öffentlich rechtlicher Anspruch wahrgenommen wird. Was man aber nicht vergessen darf: In strukturschwachen Regionen wird der Ausbau der digitalen Infrastruktur alleine durch Netzbetreiber und öffentliche Hand viel zu lange dauern. D.h. entweder man handelt selbst oder lebt mit der Konsequenz. Für viele Unternehmer kann das heißen, dass entweder der Standort verlagert werden muss oder man verliert den Anschluss an den Stand der Technik und damit die Wirtschaftlichkeit des Betriebs. Ob das wirklich eine Alternative ist, muss letztlich jeder selbst wissen.

 

Kategorien: Digitalisierung, Breitbandausbau, Datenautobahn, Netzausbau, strukturschwache Region

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VALUEversitas ist eine spezialisierte Unternehmensberatung, die Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette der Lebensmittel berät. Die schwerpunktmäßigen Beratungsfelder sind Strategie und Entwicklung (Managementberatung), Technologie- und Innovationsberatung sowie die Beratung zu Unternehmenskooperationen und aktiver Zusammenarbeit.

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