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Das Innovationswesen - Teil 7 der VALUEversitas-Info-Serie

12. Oktober 2019 16:30:33 MESZ / von Johannes Tschesche

Innovationen sind für Unternehmen die Absicherung ihrer eigenen Zukunftsfähigkeit und deshalb unglaublich wichtig. Daher ist Technologie und Innovation auch eines unserer drei Beratungsfelder. Unter einer Innovation versteht man „irgendetwas Neues“, was außerdem auch noch einen wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Nutzen bringen sollte. Heute ist der Innovationsbegriff fast immer mit Technologieentwicklung verbunden. Es gibt aber auch nicht technische Innovationen. So können auch Geschäftsmodelle Innovationen sein und man spricht häufig auch von Marketinginnovationen. Man unterscheidet auch zwischen Innovationen mit Kundennutzen und sogenannten innerbetrieblichen Innovationen. Grundsätzlich sind alle Innovationen für Unternehmen wichtig, weshalb jedes Unternehmen ein eigenes Innovationswesen mit geregelten Prozessen oder sogar Strukturen haben sollte. Wie so etwas aussehen kann und was insbesondere kleinere Unternehmen tun können, möchten wir an dieser Stelle aufzeigen.

Zunächst einmal muss klar sein, dass am Anfang einer jeden Innovation eine Idee steht. Dabei spielt es keine Rolle, um was für eine Innovation es sich handelt (vgl. auch Was ist eigentlich eine Innovation?). Die Generierung von Ideen ist also der erste Schritt. Genaugenommen müssen Ideen oftmals gar nicht generiert werden, sondern sie existieren schon. Entweder in den Köpfen der Mitarbeiter oder in den Köpfen der Geschäftsleitung. Und wenn man es vollständig haben möchte, dann haben oftmals auch Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner Ideen, die grundsätzlich als wertvoll zu betrachten sind. Diese Ideen muss man also gar nicht generieren, sondern nur schöpfen. Und falls tatsächlich niemand eine konkrete Idee hat oder die Ideen noch sehr vage sind, gibt es Methoden, mit denen man Ideen entwickeln kann. Dazu kann man sich beispielsweise geeigneter Kreativitätstechniken bedienen.

Liegen nun Ideen vor, müssen diese bewertet, priorisiert, konkretisiert und weiterentwickelt werden. Denn im Idealfall gibt es eine Reihe guter Ideen, man hat aber in der Realität meistens weder das Geld noch die nötige Zeit, um jede Idee umzusetzen. Üblicherweise muss zwischenzeitlich auch immer wieder eine neue Bewertung erfolgen. Denn dummerweise ändern sich zwischenzeitlich hin und wieder auch die Rahmenbedingungen. Ohne Priorisierung, eine Prüfung der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit und regelmäßige Prüfungen, was im Sinne des Unternehmens zielführend ist, geht es also nicht.

Und dann muss irgendwann in diesem Prozess damit begonnen werden, die nötigen Marketing- und Vertriebsaktivitäten zu initialisieren, sofern es sich nicht um eine Prozess- oder Organisationsinnovation im eigenen Unternehmen handelt. Allerdings ist es auch in diesem Fall erforderlich mit den jeweils betroffenen Mitarbeitern ins Gespräch zu gehen und möglicherweise Pilotprojekte oder eine Umstellung zu planen. Und ist man irgendwann soweit, dass der neue Prozess läuft, das neue Produkt oder die neue Dienstleistung am Markt ist, dann sind in der Regel noch etliche Optimierungsschritte nötig. 

Grundsätzlich ist ein solches Vorgehen ganz leicht und jedes Unternehmen sollte in der Lage sein, diese Schritte eigenständig zu durchlaufen. Doch wenn man nun die gelebte Realität in den meisten Unternehmen nüchtern betrachtet, dann scheint es wohl doch die ein oder andere Hürde zu geben. Und so ist es in der Regel auch. Das beginnt schon bei der Frage danach, wer Innovationen im Unternehmen vorantreibt und wie damit umgegangen wird. Geht ein solcher Prozess von der Geschäftsleitung aus oder sind es eher die Mitarbeiter? Wie wird mit neuen Ideen umgegangen und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um mit der Weiterentwicklung und Umsetzung einer Idee beginnen zu können? Das alles ist also auch eine Frage der Unternehmenskultur.

 

Und was heißt das nun für mein Unternehmen?

Einfach zusammengefasst bedeutet das, dass das Innovationswesen einer Organisation von mehreren Faktoren abhängt. Stark vereinfacht kann man sagen, dass drei Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, damit Unternehmen erfolgreich Innovationen entwickeln können. Diese können stark vereinfacht zu den Faktoren Prozess und Organisation, Unternehmenskultur und Qualifikation zusammengefasst werden.

  1. Es sollte eine Struktur vorliegen, die das Einbringen und die Entwicklung von Ideen begünstigt. Diese muss sowohl in Form eines Prozesses als auch im Form von Freiräumen (das bedeutet insbesondere Arbeitszeit) vorliegen.
  2. Es sollte eine innovationsförderliche Unternehmenskultur herrschen. Das bedeutet, dass alle Mitarbeiter und Führungskräfte gleichermaßen kooperativ arbeiten und offen kommunizieren. Außerdem bedarf es einem konstruktiven Umgang mit Fehlern und Konflikten, um die Ausprägung von Barrieren und das damit verbundene Beharrungsvermögen so gering wie möglich zu halten.
  3. Im Unternehmen sollten möglichst vielfältige Fähigkeiten und Kompetenzen vorhanden sein. Insbesondere sind Fach- und Methodenwissen sowie die Projektmanagementfähigkeiten von entscheidender Bedeutung. 

Prüfen Sie selbst, ob in Ihrem Unternehmen die obigen drei Voraussetzungen vorliegen und auf welche Weise man die Rahmenbedingungen verbessern könnte.  Existiert  ein Prozess, der die Einbringung von Ideen vorsieht? Wird beispielsweise ein existierender kontinuierlicher Verbesserungsprozess im Alltag gelebt und wie sieht es mit Freiräumen der Mitarbeiter aus? Ein Indiz für fehlenden Freiraum ist beispielsweise eine sehr hohe Arbeitslast. Welche Unternehmenskultur herrscht bei Ihnen vor? Wird wirklich offen kommuniziert und werden Sachverhalte kritisch hinterfragt oder versucht man doch eher schnelle Konsenzentscheidungen zu treffen? Oder wird in der Regel von oben nach unten regiert? Prüfen Sie, welche Glaubenssätze in Ihrem Unternehmen vorhanden sind. Diese sagen sehr viel über die Unternehmenskultur aus. Über welche Kompetenzen verfügt Ihr Team? Wie ist es um fachliche Qualifikationen bestellt? Welche Methoden beherrschen Ihre Mitarbeiter, wenn es beispielsweise um Managementaufgaben, die Priorisierung oder Bewertung von Sachverhalten geht? Gibt es jemanden, der sich mit Kreativitätstechniken auskennt und wie erfolgreich managen Sie generell Ihre Projekte?

Führen Sie in jedem Fall einen Innovationsprozess im Unternehmen ein, sofern Sie noch keinen haben. Denn nur so stellen Sie sicher, dass alle Mitarbeiter tatsächlich involviert werden können und auch allen klar ist, auf welche Weise man sich einbringen kann und muss. Darüber hinaus ist nur auf diese Weise gewährleistet, dass die Verfahrensweise bei der Mitwirkung an Neuerungen und Verbesserungen transparent sind, und zielführend fair ablaufen. Abgesehen davon, können Prozesse quantitativ ausgewertet und nachverfolgt werden. Das wirkt einerseits dem Versanden von Ideen oder Aktivitäten entgegen und andererseits erlaubt es der Unternehmensleitung die zahlenmäßige Auswertung von Innovationsaktivitäten, um beispielsweise zielgerichtet in solche zu investieren. Oft weiß man nämlich nicht, an welchen Stellen genau sich eine Investition lohnt. Ein weiterer Vorteil eines organisierten Innovationsprozesses ist, dass dieser in vorhandene IT-Systeme und Prozesslandschaften eingebunden werden kann. Dabei ist es übrigens vollkommen egal, ob in Ihrem Unternehmen eine iterative oder herkömmliche Prozesslandschaft vorliegt. 

Natürlich müssen entlang des Innovationsprozesses diverse Aktivitäten etabliert werden, die auch im gelebten Unternehmensalltag nicht dauerhaft vom Tagesgeschäft gefressen werden. Wie bei jedem anderen Prozess auch, müssen natürlich auch hier Ziele und Verantwortlichkeiten geklärt sowie Rollen definiert werden. Wie diese im Detail aussehen, hängt stark vom jeweiligen Unternehmen ab. Der Innovationsprozess und das übergeordnete Innovationsmanagement muss unbedingt auf die Organisationsstruktur des Unternehmens angepasst werden. Oft ist die Einführung eines eigenen Innovationswesens aber auch eine Gelegenheit, bestehende Organisationsstrukturen, Managementkonzepte und Führungsinstrumente zu hinterfragen und anzupassen. Nicht zuletzt ist für den Erfolg auch eine entsprechende strategische Verankerung des Innovationswesens nötig. Deshalb werden wir die nächsten Teile unserer Info-Serie den Themen Innovationsmanagement, Innovationsprozess und Innovationskultur widmen.

 

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Kategorien: Innovation, Unternehmenskultur, Innovationsmanagement, Innovationskultur, Innovationsprozess

Johannes Tschesche

Written by Johannes Tschesche

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